base_uno[1]

 

 

Wir helfen beim Ankommen, wir heißen Willkommen, bieten alternative Arbeits- und Lebensform und mittel- bis langfristige Perspektive in Selbstverwaltung sowie Möglichkeiten der politischen Bildung. Somit sind wir in etwa das, was es in den Grenzzonen Europas braucht:

Das Gegenmodell zum Abschiebelager.

                                                                                                                                               

 

 

 

 

[2]

1. Migrantinnen und Migranten stärken.. 2

2. Die Rasthaus-Herberge.. 3

3. Landkauf: das Objekt.. 3

4. Finanzierung.. 4

5. Bewirtschaftung.. 5

6. Soziales und politisches Umfeld in der Region.. 5

7. zum Hintergrund.. 6

Kontakt.. 6

 


1. Migrantinnen und Migranten stärken

Das Projekt "base_uno" verfolgt das Ziel, Migration und Flucht aus den Ländern des globalen Südens in die so genannte westliche Welt zu vereinfachen. Für dieses Vorhaben erscheint es sinnvoll, ein Projekt zu realisieren, dass sich in einer der geografischen Randzonen dieser westlichen Welt befindet, und Menschen, die die Beschwerden und Risiken der Reise und der Überwindung der Grenzen auf sich genommen haben, eine Moglichkeit zu bieten, zu rasten.

 

Im Süden Spaniens, im Einzugsbereich der 200.000 Seelen-Stadt Almeria, Andalusien,  lässt sich eine dieser Randzonen der westlichen Welt erkennen. Es handelt sich um eine Region, die viele Afrikanerinnen und Afrikaner beim Versuch, nach Europa zu kommen, zumindest durchqueren müssen und die darum einer unter vielen anderen Brennpunkten ist: Im migrationspolitischen Kontext bekannt sind die Pogrome von El Ejido im Jahr 2000 (http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_2001/09/14a.htm), die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen der Menschen, die als Erntehelfer in den Treibhäusern arbeiten (http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/plastikmeer_almeria.html), die Bilder von Melilla 2005 (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,376922,00.html). Ca. 20 Prozent aller "illegalen" Flüchtlinge erreichen die EU über Spanien.

 

Das base_uno-Projekt möchte in dieser Region eine Unterkunft bieten, die neben billiger Unterbringung für mittellose Migrantinnen und Migranten als auch NichtmigrantInnen Perspektiven und die Möglichkeit zur Orientierung anbietet. Es möchte, kurz gesagt, eine Anlaufstation sein, bei der Menschen Energie tanken können und es möchte in diesem Sinne als ein Bindeglied zwischen den Kontinenten fungieren, bei der Wandernde Halt machen können, und das dazu beiträgt, die Grenzen zu verwischen und Transit zu ermöglichen.[3]

 

Dazu soll in dieser Region ein Stück Land gekauft werden, das einerseits nah an einer größeren Stadt gelegen ist und damit eine Vielfalt an weiteren Optionen ermöglicht. Andererseits mag es gut sein, ein Territorium in Küstennähe ins Auge zu fassen, weil sich hier ebenfalls eine weitergehende wirtschaftliche Nutzung ermöglicht.

Allen, die beim Projekt ankommen, soll es offen stehen, selbst etwas dazu beizutragen. es weiter auf zu bauen. Gerade in der Anfangsphase wird es vorrangig um die Erschließung des Geländes und die Urbarmachung gehen.

2. Die Rasthaus-Herberge

Begegnung, Willkommenstruktur, Bildung und Motivation zur Selbstorganisation sowie mittelfristige landwirtschafltliche Nutzung sind die wesentlichen Stichpunkte, die unser Projekt beschreiben. Dazu ist es sinnvoll, Kenntnis von Sprache und Rechtssystem Spaniens und anderer europäischer Länder zu vermitteln - einfach um ein eigenständiges Agieren zu erleichtern. Spanischunterricht bzw. eine Sprachschule sind im Rahmen des Projekts denkbar, ebenso wie Unterricht in anderen Bereichen und Rechtsberatung. Aufgeführt sei hier eine Liste an Aktivitäten, die im mini-Rasthaus in Freiburg laufen: Deutschkurse, Alphabetisierungskurse, Internetkurse (Frauen und Männer, und getrennt), kulturelle, private und politische Treffen, Kommunikationszentrum für Migranten und Flüchtlinge etc.

 

Weitere Vermittlung und Planung zum Thema alternative Formen der Bewirtschaftung bzw. kollektives Wirtschaften, so eines Tages gegeben, kann insbesondere im Bereich der Landwirtschaft, aber auch darüber hinaus (unabhängige linke Strukturen und unsere eigenen Inhalte zeigen) von grossem Interesse sein.

So können mit Bildungsarbeit Empowerment und Befähigung, die wohl mit die zentralen Ideen dieses Projekts bilden, nach innen als auch nach außen weiter getragen werden. Im Projekt Finca Sonador[4] ist beispielsweise mittelfristig der Aufbau eines kleinen Bildungszentrums angedacht. Ähnliches wäre sicherlich auch für base_uno interessant.

3. Landkauf: das Objekt

Das gekaufte Land selbst soll dem Kapitalmarkt entzogen werden, dem Projekt gewidmet und daher unverkäuflich sein. Langfristig lässt sich dieses Attribut derzeit augenscheinlich über ein bestimmtes Rechtsmodell, das beim Kauf Anwendung findet, verwirklichen. Dieses Modell fußt selbstverständlich ebenso auf bürgerlichem Recht wie die kapitalistische Wirtschaftsform, allerdings bieten sich einige Konstruktionen innerhalb dieses Rechtssystems an, die sich gegen die Gesetze des Marktes applizieren lassen. Wir favorisieren das pragmatische Modell des Mietshäuser Syndikats. Wie so etwas in Spanien ablaufen kann, muss noch ausprobiert werden. Die notwendigen Rechtsformen (Verein: asociación registrada; GmbH: asociación de responsabilidad limitada) sind vorhanden.

 

Das Objekt:

Die Finca in Mizale befindet sich unweit von Molino de Rio Aguas, etwa 60 km von Almeria  (Stadt) entfernt. In 10 km Umkreis befinden sich viele Treibhäuser und es halten sich entsprechend viele MigrantInnen dort auf. Außerdem befindet sich eine der größten turistischen Ausbreitungen in der Gegend, Mojacar und Vera, mit vielen MigrantInnen im Baugewerbe. Bis ans Meer und zum Naturpark Naturpark Cabo de Gata  sind es 15 km.

Die Finca hat ca. 4 ha Land mit einem Brunnen, der registriert und auf 7 l/Sekunde zugelassen ist. Er hat eine Tiefe von 70 Metern. Die Qualität des Bodens ist sehr gut.

Dort stehen 115 Olivenbäume, 50 davon sechs und 65 drei Jahre altkm, die eine Produktion von derzeit 400 Litern Öl Virgin Extra bringen, (ca. 4000,- Euro) - der Ertrag wird allerdings noch stark steigen, weil die Olivenbäume noch sehr jung sind.

Die Finca befindet sich auf einer ziemlich großen Ebene, wo es noch weitere 10 ha gibt, die seit 30 Jahren brachliegen, ebenfalls von guter Qualität sind aber bewässert werden müssen. Diese umliegenden Ländereien stehen womöglich ebenfalls zum Verkauf. Eine Vivienda (Wohnstätte) von 250 qm/Etage auf zwei Etagen werden durch die Bauaufsicht genehmigt, weitere Gebäude müssen in Leichtbauweise gebaut werden. Derzeit ist noch keine Elektrizität vorhanden, das Projekt wird, seiner südlichen Lage angepasst, auf Sonnen- und sonstige erneuerbare Energien setzen.

4. Finanzierung

Unsere Finanzierungsplanung für die erste Phase, also den Kauf des Grundstücks und des Baus der Herberge umfasst die Aquisition von Geldern aus im wesentlichen drei Bereichen:

- Darlehen von Privatpersonen: Ein ausgearbeitetes Modell ermöglicht es für Freunde, Bekannte, Familienangehörige und SympathisantInnen, gegen eine entsprechende Sicherheit Geld zu für das Projekt günstigen Konditionen anzulegen. Der Gegenwert besteht im Grundstücks- bzw. Gebäudewert des Projekts.

- Bürgschaften: Bei der GLS-Bank besteht die Option, schnelle Klein-Kredite über Bürgschaften von Privatpersonen abzusichern, was ohne großen Aufwand zu machen wäre.

- Bankkredite: Vielfach um nicht zu sagen ausschließlich wurde im Zusammenhang des Mietshäusersyndikats die GLS Bank (Geben, Leihen, Schenken) genutzt, und es bestehen hier rege wenn auch nicht immer einfache Geschäftsbeziehungen. Eine Unterstützung für base_uno erscheint wahrscheinlich, wenn wir uns als ein zum Mietshäuser Syndikat gehöriges Projekt vorstellen. Allerdings wäre es in dieser Hinsicht mindestens ebenso gut, eine andere progressive Bank auszuprobieren, zumal die GLS bisher kaum (oder gar nicht) im Ausland investiert hat. Aus Mietshäuser Syndikatsperspektive wäre es sicher außerordentlich interessant, wenn eines der Projekte sich mal mit einer anderen Bank versuchte und so die Monopolstellung der GLS etwas aufgeweicht würde. In Frage kommt hier die originär niederländische Bank Triodos, die sich im europäischen Rahmen bewegt und auch über eine Niederlassung in Madrid verfügt.

Wir hoffen, über die Netzwerke, mit denen wir zusammenarbeiten wollen,  besser an Kredite ranzukommen: Dazu zählt das MHS ebenso wie die PAG und möglicherweise die Stiftung Umverteilen. Desweiteren sind Anträge bei der Europäischen Union geplant.

5. Bewirtschaftung

Das Projekt soll sich in absehbarer Zeit selbst tragen - d.h., dass in bestimmten Bereichen gewirtschaftet werden soll, um Einnahmen zu erzielen. In der Aufbauphase werden die unten aufgeführten Zweige kaum zum Tragen kommen, wobei womöglich mit etwas Geschick bereits früh mit UnterstützerInnen zusammengearbeitet werden könnte, die beim Aufbau des Projekts mithelfen und in der Region Urlaub machen. Das Projekt ist auf Solidarität aus dem Norden angewiesen und kann im Gegenzug einiges an Attraktivität bieten.

Im Vordergrund steht in jedem Fall, eine Infrastruktur zu schaffen, auf die aufgebaut werden kann. D.h. zur Urbarmachung müssen Wege, Unterkunft, Wasser, Strom, Telekommunikation eingerichtet werden. Letztere werden auf alternativen Ressourcen, insbesondere Sonnenergie, basieren.

Zunächst zur Eigenversorgung ist avisiert, mit permakulturellen Produktionsmethoden in Richtung genfreiem Ökologischen Landbaus zu wirtschaften. Inwieweit darüber Einnahmen erzielt werden können, muss ausprobiert werden.

6. Soziales und politisches Umfeld in der Region

Das ganze Projekt steht und fällt mit der Einbindung und Einbettung in die sozialen Gegebenheiten vor Ort - also v. a. der jeweils aktuellen Situation von MigrantInnen. D.h., dass es in jedem Fall fundamental sein wird, mit möglichst vielen sozialen und politischen Akteuren, die in diesem Thema engagiert sind, in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Dazu gehören in erster Linie MigrantInnen selbst, sodann deren Treffpunkte, Foren und sonstige Kommunikationsstrukturen und insbesondere gute Kontakte zu Organisationen, die sie aufgebaut haben oder aufbauen.

Ebenfalls von großer Bedeutung ist, weitere UnterstützerInnen kennen zu lernen und deren Netzwerke mit zu nutzen - und von diesen auch Feed Back zu dem Ansatz, den das Projekt verfolgt, einzuholen. Mittel- und Langfristige Zusammenarbeit sollte von uns aus immer erwünscht sein.

Die Gewerkschaft der LandarbeiterInnen (Sindicato de Obreros del Campo y del Medio Rural de Andalucia,  SOC) hat mit Hilfe europäischer Netzwerke begonnen, soziale Zentren, u.a. in El Ejido und Nijar, zu betreiben. Zudem bestehen Kontakte zur Universität in Almeria, an der sich auch eine Landwirschaftliche Fakultät befindet.

Die Auseinandersetzung mit den herrschenden Verhältnissen vor Ort wird ein wesentlicher Teil des Projekts sein, für das wir eine Ausgangsbasis - eben base_uno - benötigen.

7. zum Hintergrund

In der agro-industriellen Seifenblase Spaniens

von Nicolas Arraitz (CQFD*) | 2007-06-18 http://www.forumcivique.org/index.php?lang=DE&site=ARCHIPEL&sub_a=ARCHI_150&article=990

 

Eröffnung des Lokals «Ascen Uriarte» in Nijar

von Nicholas Bell (EBF) | 2007-06-18

http://www.forumcivique.org/index.php?lang=DE&site=ARCHIPEL&sub_a=ARCHI_150&article=991

 

überblicksartig:

Apartheid ist ein "warmes Bett": http://de.indymedia.org/2007/01/167253.shtml

 

sehr detailliert zu den Pogromen:

Ketchup al Ejido: http://www.labournet.de/internationales/es-kirsche.html

 

Interview mit Dieter Behr über Arbeitsbedingungen von MigrantInnen in der Landwirtschaft: http://www.fro.at/migration/index.php?article_id=37

 

Zur Finca-Sonador: http://wmedina.net/texte/finca_sonador.pdf

 

Über die Notwendigkeit einer Wiederentdeckung. Globale Landwirtschaft und die Macht kapitalistischer Agrarindustrie. In ak- zeitung für linke debatte und praxis / Nr. 502 / 20.1.2006.

 

Reader "Widerstand ist fruchtbar. Analysen und  Perspektiven für eine nicht-kapitalistische Landwirtschaft":

http://www.gentechnikfreies-brandenburg.de/extras/g8_lawi_reader.pdf

Kontakt:

Wir sind derzeit eine Gruppe von fünf Leuten, allesamt mit extrem positiven Fähigkeiten und Intentionen ;-), und wollen gerne mehr werden. Interessierte und potenzielle UnterstützerInnen wenden sich (zunächst) an:

 

*  kontakt@base-uno.info   *



[1] Zum Arbeitstitel: base_uno ist ein Begriff, der sich auf Baseball bezieht. Der Vergleich der MigrantInnen mit dem/r BaseballspielerIn ist lediglich ein Gedankenspiel: beide müssen verschiedene Basen (bases) erreichen, um für sein/ihr Team Punkte zu machen. Dieses Projekt könnte also eine base sein - viele werden daran vorbeirennen, und versuchen, wenn sie können, gleich zu weiteren bases bzw. in die Metropolen zu gelangen (bis hin zum Homerun, was auch immer dieser ist).  base uno zu erreichen kann schon etwas sein, was Sicherheit gibt.

[2] Alle Fotos zu den Plastikmeeren rund um Almería von Lisa Bolyos / Marco de Pra.

[3] Es soll nicht eine Privat- bzw. Kleinkollektiv-Datscha werden und als Feriendomizil für wenige dienen.

[4] siehe Kapitel zum Hintergrund